Zwischen einer honiggefüllten Wabe und dem Glas auf dem Tisch liegen mehrere präzise Arbeitsschritte. Die Zellen werden geöffnet, der Honig vom Wachs getrennt, sichtbare Teilchen entfernt und der Honig vor dem Abfüllen ruhen gelassen. Wir verfolgen diesen Weg Schritt für Schritt und unterscheiden dabei klar zwischen Schleudern, Sieben, Feinfiltern und Pasteurisieren.
Vor der Ernte: Der Honig reift in den Waben
Bienen bereiten Honig aus Pflanzennektar oder aus Sekreten, die von lebenden Pflanzenteilen stammen. Sie verändern und entwässern ihn, lagern ihn in den Waben und lassen ihn reifen. Ist eine Zelle bereit, wird sie meist mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen, dem sogenannten Zelldeckel.
Das Erscheinungsbild des Rahmens liefert dem Imker damit einen ersten Hinweis auf den Reifegrad. Die Ernteentscheidung hängt jedoch nicht von einem einzigen Merkmal ab. Auch Trachtverlauf, Feuchtigkeit und der Anteil verdeckelter Zellen spielen eine Rolle.
Schritt 1: die Honigrahmen entnehmen
Die Rahmen aus dem Honigraum werden aus der Beute genommen, nachdem die Bienen mit geeigneten Methoden entfernt wurden. Anschließend gelangen sie in einen sauberen, vor Insekten und Feuchtigkeit geschützten Schleuderraum. Der Honig befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch in den Wachszellen.
Die Trennung zwischen Bienenstock und Verarbeitungsbereich ist wichtig. Werkzeuge, Flächen und Behälter, die mit dem Honig in Berührung kommen, müssen sauber und lebensmittelgeeignet sein.
Schritt 2: die Waben entdeckeln
Beim Entdeckeln wird die feine Wachsschicht von den Zellen entfernt. Dafür können Messer, Entdeckelungsgabel oder mechanische Geräte eingesetzt werden. Die Wabe soll nicht zerdrückt werden; es reicht, die Zellen so weit zu öffnen, dass der Honig austreten kann.
In den Wachdeckeln steckt noch etwas Honig. Sie können separat abtropfen, bevor das Wachs weiterverwendet wird. Nicht jeder Betrieb organisiert diesen Arbeitsschritt jedoch auf genau dieselbe Weise.
Schritt 3: Honig schleudern oder pressen
Gewinnung in der Honigschleuder
Bei beweglichen Rahmen werden die geöffneten Waben häufig in eine Honigschleuder gestellt. Durch die Drehbewegung gelangt der Honig an die Wand des Behälters und läuft nach unten. Der Rahmen bleibt weitgehend erhalten und kann nach den nötigen Arbeiten wieder in die Beute zurückkehren.
Gepresster Honig
Bei einer anderen Methode werden die Waben gepresst. Das kommt bei bestimmten Wabensystemen und besonderen Erzeugungsweisen zum Einsatz. Das Ergebnis ist ebenfalls Honig, doch das Verfahren und der Umgang mit dem Wachs unterscheiden sich. „Geschleudert“ und „gepresst“ bezeichnen daher nicht denselben Vorgang.
Schritt 4: sichtbare Teilchen aussieben
Direkt aus der Schleuder kann Honig kleine Wachsstücke oder andere Partikel aus der Wabe enthalten. Ein oder mehrere Siebe halten diese Bestandteile zurück, bevor der Honig in der Abfüllanlage ruht.
Ein einfaches Sieben ist nicht mit einer sehr feinen Filtration gleichzusetzen. Nach europäischem Recht bezeichnet „gefilterter Honig“ einen Honig, bei dem anorganische oder organische Fremdstoffe so entfernt wurden, dass dabei auch Pollen in erheblichem Umfang verloren gehen. Die Wortwahl ist deshalb relevant.
Schritt 5: den Honig ruhen lassen
Nach dem Sieben wird Honig häufig in einen Klärbehälter mit tief sitzendem Hahn gegeben. Während der Ruhezeit steigen Luftblasen und leichte Partikel an die Oberfläche. Dort lassen sie sich vor dem Abfüllen leichter entfernen.
Diese Ruhephase ist keine Reifung wie im Bienenstock. Sie dient vor allem der physikalischen Klärung und Beruhigung. Honig wird nicht automatisch „besser“, nur weil er besonders lange im Behälter bleibt.
Schritt 6: abfüllen und Rückverfolgbarkeit sichern
Der Honig wird in saubere, trockene und lebensmittelgeeignete Gläser gefüllt und verschlossen. Beim Abfüllen sollte möglichst wenig Feuchtigkeit eingetragen werden, denn Honig ist hygroskopisch und nimmt Wasser aus der Umgebungsluft leicht auf.
Das Etikett identifiziert anschließend das Produkt und seine Herkunft. Seit dem 14. Juni 2026 gelten für neu in Verkehr gebrachte Produkte verschärfte EU-Vorgaben: Bei Mischungen aus Honig verschiedener Länder müssen die Herkunftsländer nach den vorgeschriebenen Regeln auf dem Etikett stehen.
Schleudern, Erwärmen und Pasteurisieren sind nicht dasselbe
Honig zu gewinnen bedeutet zunächst nur, ihn aus der Wabe zu lösen. Daraus lässt sich nicht ableiten, ob er erwärmt wurde. In manchen Zusammenhängen erleichtert milde Wärme einen Arbeitsschritt; eine intensivere Behandlung verändert das Produkt stärker. Verlässlicher sind daher die konkreten Angaben zum jeweiligen Honig.
In unserer Kollektion roher Honige sind unsere Honige nicht pasteurisiert und wurden nicht erhitzt. Unsere flüssigen Honige reichen geschmacklich von mild bis kräftig. Diese Kategorien beschreiben unsere Produkte, aber nicht sämtliche Verfahren der Honigbranche.
Warum unterscheiden sich zwei Gläser in ihrer Textur?
Die Konsistenz hängt zuerst von der botanischen Herkunft, der natürlichen Zusammensetzung und der Temperatur ab. Honig kann flüssig, dick oder kristallisiert sein, ohne dass dies allein einen Herstellungsfehler zeigt. Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang, dessen Geschwindigkeit je nach Honig variiert.
Auf dem Weg von der Wabe ins Glas geht es daher nicht darum, alle Honige gleichzumachen. Sie sollen sauber vorbereitet werden, während ihre Unterschiede erhalten bleiben. Farbe, Viskosität und Aroma hängen weiterhin eng mit ihrer Herkunft zusammen.
Fünf Punkte zum Merken
- Honig reift zunächst in den Zellen, die häufig mit Wachs verdeckelt werden.
- Das Entdeckeln öffnet die Zellen; Schleudern oder Pressen trennt den Honig von der Wabe.
- Sieben entfernt sichtbare Teilchen und ist nicht dasselbe wie eine sehr feine Filtration.
- Während der Ruhe steigen Blasen und leichte Partikel vor dem Abfüllen nach oben.
- Gewinnung, Erwärmung und Pasteurisierung sind unterschiedliche Begriffe.
Wer diese Schritte kennt, kann Etiketten leichter einordnen und Unterschiede zwischen Honigen besser würdigen. Entdecken Sie unsere nicht pasteurisierten rohen Honige und flüssigen Honige und wählen Sie nach Textur und Aromaprofil.
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